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Elisabeth-Norgall-Preisträgerin 2006

Stella Deetjen

Stella Deetjen (D) ist eine junge Frau von 34 Jahren. Sie ist in Friedrichsdorf aufgewachsen und machte 1989 am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg ihr Abitur. Bis zu Beginn eines Studiums in Rom war noch Zeit, so packte sie einen Rucksack und fuhr los – allein – nach Nepal, Tibet, Indien. In Benares hatte Stella ein Schlüsselerlebnis, das ihr Leben vollkommen verändern sollte. Sie sitzt an jenem besonderen Tag auf den Stufen zum heiligen Ganges und hat Leibschmerzen. Ein armer alter leprakranker Mann spricht sie an und fragt, ob er ihr helfen kann. Dass ein Bettler ihr, der „reichen“ Europäerin, seine Hilfe anbot, hat Stella tief berührt. Sie unterhielt sich mit ihm, andere Kranke kamen hinzu, und Stella lernte, dass sie von ihren Angehörigen ausgestoßen werden, damit nicht die ganze Familie unberührbar wird. Jetzt können sie nur noch betteln – im Schmutz der Straßen von Benares.

Sie nimmt sich vor, hier zu helfen. Von einer Schweizer Ärztin erfährt sie, dass Lepra heilbar ist, und die Behandlung pro Patient und Monat nur etwa 2 Dollar kostet. 100 Dollar, die ihr die Ärztin schenkt, verwendet sie zum Kauf von Medikamenten und verteilt diese an die Leprakranken. Mit Spenden, die sie einwirbt, kann sie immer mehr Kranken helfen. Inzwischen warten die Kranken täglich auf der Straße auf sie. So entsteht 1996 die so genannte Straßenklinik, wo die Patienten täglich mit Medikamenten versorgt werden. 

Das Kinderprojekt, für das sie heute ihre ganze Kraft einsetzt, hat sich aus dem Leprahilfsprojekt entwickelt. Manche Kinder kannte sie schon von Geburt an als Kinder ihrer Lepra-Patienten. Sie erfuhr, dass die Straßenkinder Freiwild waren und manchen von ihnen die Arme mit heißem Öl übergossen wurden, weil verkrüppelte Kinder beim Betteln mehr Mitleid erregen. Nachts auf den Straßen werden Jungen und Mädchen vergewaltigt. Profibettler verkaufen die Nieren von Waisenkindern. Es war ihr ein Herzensanliegen, diese Situation zu ändern. Sie rief bereits 1996 mit ihren Helfern die „Little Stars School“ ins Leben, die mittlerweile von 36 auf 350 Schüler angewachsen ist und für die inzwischen eine indische Organisation verantwortlich zeichnet. 

Um ihrem Projekt eine größere Plattform zu geben und die Voraussetzung zu schaffen, mehr Spendengelder einzuwerben, gründete sie den Verein Back to Life e.V. Ende 1999 hat sie den Kid’s Club eingerichtet, in dem Kinder von 2 bis 14 Jahren den Gefahren der Straße am Tage entfliehen können. Sie können dort essen, ihre Schulaufgaben machen, spielen und basteln. Regelmäßig schauen ein Arzt und eine Krankenschwester nach ihnen. Im Sommer 2003 eröffnete sie ein Kinderheim in einem angemieteten Haus. Hier fanden die Straßenkinder erstmals ein Zuhause, sie schliefen in richtigen Betten, erhielten regelmäßig Mahlzeiten und gingen zur Schule. Sie bewahrte sie vor Gewalt, Missbrauch und Kinderarbeit.

Im Jahre 2004 ergab sich die einmalige Gelegenheit, ein großes Grundstück mit einem dreigeschossigen Gutshaus zu kaufen. Die Finanzierung konnte sie erreichen, nachdem ihr Verein unter anderem durch eine Fernseh-Talk-Show bei Jörg Pilawa im Dezember 2004 und anderen Medienberichten mehr Aufmerksamkeit erfuhr und die Spenden reichlicher flossen.

Gundel Lienemann
Chairperson Norgall Committee2012-04-04

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