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Elisabeth-Norgall-Preisträgerin 2008

Schwester Monika (Monika Hesse)

Immer häufiger erschüttern uns Nachrichten von Müttern, die ihr Neugeborenes aussetzen - nur in Decken eingehüllt und an unterschiedlichen Orten und oft im Eingangsbereich eines Krankenhauses. Sicherlich tun sie das in der Hoffnung, dass ihr neugeborenes Kind noch lebend gefunden wird, aber in ihrer ausweglos erscheinenden Lage nehmen sie den Tod des Säuglings in Kauf. Wie verzweifelt muss eine Mutter sein, die ihr Baby gleich nach der Geburt tötet und verschwinden läßt: in der Kühltruhe, im Mülleimer, in Blumenkästen vergraben.

Nicht selten hören wir aber auch von Kindern, die von den leiblichen Eltern geschlagen, vernachlässigt, misshandelt und wegsperrt werden. Zum Skelett abgemagert verhungern und verdursten Kinder, ohne dass Nachbarn und staatliche Behörden aufmerksam werden und einschreiten.

Auf dieses Elend ist Schwester Monika aufmerksam geworden, als sie gleich nach dem Fall der Mauer die erste Suppenküche Ostdeutschlands in Berlin-Pankow gründete für Arme und Kranke, Obdachlose und Rauschgiftsüchtige. In dieser Zeit begegnete sie vielen Frauen, die mit ihren Säuglingen und Kleinkindern auf der Straße lebten. Sie erfuhr schon damals von Neugeborenen, die ausgesetzt oder getötet wurden.

So folgte sie ihrer Berufung und wollte ein Angebot schaffen, um Leben zu retten, Leben zu schützen und zum Leben zu ermutigen. In den Jahren 1998/99 waren „ungewollte Kinder, die ausgesetzt oder getötet“ wurden, noch ein Tabu-Thema in Deutschland. Dementsprechend groß war der Widerstand der Behörden, eine Betriebserlaubnis für das von ihr geplante Kinderhaus Sonnenblume zu erteilen. Nach langen Verhandlungen und über viele bürokratische Hürden hinweg konnte im Oktober 1999 Kardinal Sterzinsky das Kinderhaus Sonnenblume mit sechs Zimmern in Schönow bei Bernau einweihen. Vor vier Jahren konnte ein zusätzliches Haus mit vier Zimmern und einer Wohnung für potenzielle Adoptiveltern erworben werden. Darüber hinaus verfügt der von Schwester Monika gegründete Verein über ein weiteres Haus ‚debora’ in Berlin für Alleinerziehende und Familien mit Kindern in schwierigen Situationen.

Das Kinderhaus Sonnenblume ist ein betreutes Mutter-Kind-Heim, das Platz für sieben Mütter und ihre Kinder hat. Anliegen und Schwerpunkt ist die Aufnahme von schwangeren Frauen und Müttern mit ihren Kindern sowie die sofortige Aufnahme von Neugeborenen und Säuglingen, deren Mütter sich in extremen Krisensituationen befinden. Im Kinderhaus finden die Frauen einen Raum vor, der Liebe und Geborgenheit ausstrahlt und ihnen ermöglicht, zur Ruhe zu kommen. In Gesprächen lernen sie, sich selbst und ihre Situation bewusst wahrzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Wie lange eine Frau die angebotene Hilfe in Anspruch nimmt, hängt von ihrer konkreten Situation ab. Es gibt Frauen, die sich bereits während der Schwangerschaft für den Weg der Adoption entscheiden. Andere Frauen brauchen auch nach der Geburt noch Zeit, wenn sie ihrem Kind ambivalent gegenüber stehen. Und es gibt Frauen, die durch die konkrete Hilfe von Kinderhaus Sonnenblume ein Leben mit ihrem Kind wagen.

Das Besondere ist, dass die Frauen auf eigenen Wunsch anonym bleiben können und Hilfe unbürokratisch rund um die Uhr erhalten, also auch ohne Versicherungs-nachweise oder sonstige Kostenerstattungen. Das Angebot der Anonymität ist eine Einladung für die Frauen, die dort abgeholt werden, wo sie sind: nämlich mit Ängsten und Schuldgefühlen beladen, weil sie dem werdenden Leben in ihrem Bauch ambivalent gegenüberstehen oder es ablehnen und für sich keinen Ausweg sehen.

Die Finanzierung des Projekts erfolgt fast ausschließlich über Spenden. Dabei spielen auch Sachspenden eine große Rolle, die beispielsweise den Bedarf eines Kindes für das erste Lebensjahr sicher stellen. Für Frauen, die beim Jugendamt einen Antrag stellen und denen Hilfe nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz gewährt wird, erhält der Verein einen Tagessatz. Seit Eröffnung des Hauses waren das jedoch erst drei Frauen. Die Mitarbeiter von Kinderhaus Sonnenblume werden vom Verein bezahlt. Der Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeitern ist problematisch, da der Verein den hilfesuchenden Frauen absolute Anonymität zusichert.

Seit Gründung des Vereins sind mehrere Hundert Frauen und deren Kinder aufgenommen und betreut worden. Konkrete Zahlen werden aufgrund der Anonymitätszusage nicht veröffentlicht.

Die heute 50jährige Schwester Monika ist Franziskanerin und untersteht direkt dem Berliner Kardinal Sterzinsky. Sie hat ihr Leben dem Kinderhaus Sonnenblume und den Kindern gewidmet, denen sie durch ihr selbstloses Engagement und ihre hingebungsvolle Hilfeleistung eine Chance zum Leben ermöglichen will. Schwester Monika sagt zu ihrem Projekt: „Das Kinderhaus Sonnenblume ist mein Leben.“


» Homepage des Kinderhauses Sonnenblume

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